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In Weißenfels beginnt der barrierefreie Ausbau der Bushaltestellen

Die Stadt Weißenfels ist gesetzlich dazu verpflichtet, bis zum 1. Januar 2022 sämtliche Bushaltestellen barrierefrei auszubauen, um den Zugang zum öffentlichen Personennahverkehr ohne Erschwernis und ohne fremde Hilfe zu gewährleisten. Nun wurden die ersten Bushaltestellen für das Ausbauprogramm festgelegt. Noch in diesem Jahr soll mit den Bauarbeiten begonnen werden. Mitarbeiter der örtlichen Straßenverkehrsbehörde, Vertreter der Weißenfelser Straßen und Tiefbau GmbH, der PVG Burgenlandkreis mbH, des Weißenfelser Senioren- und Behindertenbeirates sowie der Behindertenbeauftragten des Teilhabemanagements Burgenlandkreis nahmen die Haltestellen am 1. November 2017 in Augenschein, um letzte Details der Baumaßnahmen abzustimmen. Demzufolge sollen in den Jahren 2017/2018 zunächst folgende Haltestellen barrierefrei ausgebaut werden: Lassalleweg, Heuweg/Tagewerbener Straße, Markwerbener Straße (alle jeweils auf beiden Straßenseiten), Körnerstraße und Polizei. Auch die Haltestellen in der Zeitzer Straße gehören zum näheren Auswahlkreis. Hier besteht aber noch weiterer Abstimmungsbedarf.
Das Personenbeförderungsgesetzt schreibt den barrierefreien Ausbau vor. Derzeit gibt es noch kein Fördermittelprogramm. Das Land Sachsen-Anhalt plant jedoch, im Jahr 2018 eine Möglichkeit der finanziellen Unterstützung für die Kommunen auf den Weg zu bringen. In der Stadt Weißenfels gibt es insgesamt etwa 140 Bushaltestellen. Ziel ist es, alle Haltestellen mit einem einheitlichen barrierearmen System auszubauen, um betroffenen Menschen mehr Sicherheit zu geben. Knapp 90 Prozent der Bushaltestellen weisen keine oder nur einzelne Elemente des geplanten barrierearmen Systems auf. Die Mitarbeiter der Weißenfelser Straßenverkehrsbehörde haben eine Prioritätenliste erstellt. An vorderer Stelle stehen die Bushaltestellen, die stark frequentiert sind und großen Sanierungsbedarf haben, wie beispielsweise die Bushaltestellen am Krankenhaus. Diese sollen für ein mögliches Förderprogramm des Landes vorgeschlagen werden.
Darüber hinaus hat die Stadt Weißenfels im Haushalt für den barrierefreien Ausbau in der Kernstadt zunächst für die Jahre 2017 und 2018 Geld eingeplant. Der barrierefreie Ausbau der oben genannten Bushaltestellen wird komplett mit Eigenmitteln der Stadt Weißenfels finanziert. Angesichts ihrer Platzierung in der Prioritätenliste ist eine Finanzierung über Fördermittel unwahrscheinlich, der Ausbau aber aufgrund der Frequentierung trotzdem dringlich. Dies zeigte auch der Vor-Ort-Termin mit den Beratern und Bauexperten. So verfügt beispielsweise die Haltestelle „Lassalleweg“ in Richtung Klemmbergpark noch nicht einmal über einen befestigten Gehweg und der Mast des Haltestellenschildes engt den Gehsteig ein. In der Zeitzer Straße (Richtung Kaserne) ist zum Beispiel der Bürgersteig zu schmal. Verlässt Behindertenbeauftragter Maik Malguth mit seinem Rollstuhl über eine eingebaute Rampe den Bus, verkeilen sich die Räder an der Bordsteinkante und er kann den Rollstuhl nicht mehr zur Seite lenken. Ein größerer Wendekreis für den Rollstuhl im Haltestellenbereich wird hier notwendig sein. Für die Haltestelle in der Zeitzer Straße besteht darüber hinaus noch Abstimmungsbedarf für eine barrierefreie Querungsanlage zwischen den beiden Haltestellen. Des Weiteren müssen unter anderem an fast allen Haltestellen Sonderbordsteine angebracht werden, die auf gleicher Höhe wie der Buseinstieg liegen. An der Bordsteinkante verläuft dann eine Borde mit Noppenplatten, die für Blinde eine Art Wartelinie darstellt. Im Umfeld der Haltestellen wird ein Blindenleitsystem mit Rillenplatten verlegt, das Blinde beispielsweise zum Wartehäuschen, zur Bustür oder zu einer Straßenquerung mit abgesenkter Bordsteinkante führt.
Die örtliche Straßenverkehrsbehörde hatte in Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeirat, dem Seniorenbeirat und den Behindertenbeauftragten des Burgenlandkreises Musterskizzen für den einheitlichen barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in Weißenfels erarbeitet. Berücksichtigt wurden dabei aber auch Gestaltungsvorschläge für Straßenquerungen, Treppen, Rampen und Hindernisse wie Poller. Der Weißenfelser Stadtrat hatte im Oktober 2016 auf Grundlage dieser Skizzen eine barrierefreie Gestaltung des Straßennetzes der Saalestadt beschlossen.

Fotos: -Die Messung von René Lange (Geschäftsführer der Weißenfelser Straßen und Tiefbau GmbH) ergibt, dass für den Rollstuhl von Behindertenbeauftragten Maik Malguth zwischen der Rampe des Busses und der Gehwegborde nicht genug Platz zum Wenden ist. Fotografin: Katharina Vokoun

Quelle: Stadt Weißenfels