Erste Ideenwerkstatt für die künftige Nutzung des südlichen Schlossflügels

Eine Hochschule mit Internat, ein Theater- und Opernhaus oder doch ein offenes Kreativ- und Multimediazentrum? Vorschläge für die künftige Nutzung des Südflügels von Schloss Neu-Augustusburg gibt es viele. Das zeigte sich bei einer ersten Ideenwerkstatt, die am 27. November 2018 stattfand. Eingeladen waren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Etwa 25 Personen nahmen an dem Treffen teil.

 

Der Südflügel des Schlosses Neu Augustusburg wird derzeit statisch gesichert. Hierfür hat die Stadt Weißenfels im Rahmen des Bundesprogrammes „Nationale Projekte des Städtebaus“ Fördermittel in Höhe von 1,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erhalten. Unter dem Motto: „verSCHLOSSene Räume öffnen“  erfolgt projektbegleitend auch ein dialogisch orientierter Beteiligungsprozess. Die Ideenwerkstatt zur künftigen Nutzung des südlichen Schlossflügels soll in den Jahren 2019 und 2020 mit insgesamt zwei weiteren Terminen fortgeführt werden.

 

Die Ideenwerkstatt hatte zwei Ziele. Zunächst sollten sich die Teilnehmer eine Vorstellung von den räumlichen Gegebenheiten des Südflügels von Schloss Neu-Augustusburg und von den Dimensionen der baulichen Maßnahmen machen. Dazu nahmen sie an einem Baustellenrundgang und an einer Führung durch die Schlosskirche teil. Außerdem informierte KEWOG*-Geschäftsführer Jack Steinert die Anwesenden über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und die damit zusammenhängenden Anforderungen an das Sanierungsvorhaben im Weißenfelser Schloss. So betonte er, dass künftige Angebote im Schloss Neu-Augustusburg Innovationspotential, weitreichende Strahlkraft und eine nachhaltige Wirkung aufweisen müssen.

 

Im zweiten Schritt entwickelten die Teilnehmer unter Anleitung der Moderatorin Cornelia Heller anhand von drei Aufgaben Nutzungsideen für den Südflügel des Weißenfelser Schlosses. Dabei ließen sie ihren Gedanken bewusst freien Lauf und zogen zunächst alle möglichen Optionen in die Überlegungen mit ein. Finanzielle Grenzen, räumliche Beschränkungen und andere Hindernisse wurden bei der ersten Ideenwerkstatt absichtlich außer Acht gelassen, um die Denkprozesse nicht von vornherein zu blockieren. So schlüpften die Teilnehmer zum Beispiel in die Rolle eines reichen Schlossherren und überlegten sich Nutzungskonzepte für ihr Domizil. Außerdem diskutierten sie gemeinsam darüber, wie sie das Interesse von Kooperationspartnern wecken und ein großes Publikum für ihre Projekte gewinnen können. Darüber hinaus konnten sie mitteilen, welche Angebote ihrer Meinung nach in Weißenfels fehlen.

 

Diskutiert wurde unter anderem über die Idee eines offenen Kreativ- und Multimediazentrums. Die Räume im Schlossflügel können demzufolge je nach Bedarf als Ateliers für Künstler, als Büros für Start-Up-Unternehmen, als Coworking-Space, als Vereinstreff oder als Proberäume für Bands genutzt werden. Auch ein kleines Café mit freier Bühne sowie frei nutzbare Multimediaräume und Werkstätten wären vorstellbar. Die Aufforderung von Cornelia Heller, einfach mal drauflos zu träumen, brachte auch Ideen von einem Hotel mit Konzertsaal, einer Erweiterung des Museums und einer großräumigen Bibliothek hervor.

 

Um die Aufmerksamkeit des Publikums und möglicher Kooperationspartner zu gewinnen, seien professionelle Öffentlichkeitsarbeit und Marketing wichtig. Dazu gehöre die klassische Werbung und Medienarbeit aber auch die stete Kommunikation im Internet, auf Social-Media-Plattformen und auf anderen digitalen Kanälen. Durch große Events aber auch regelmäßig stattfindende kleinere Veranstaltungen wie Schüler- oder Studentenwettbewerbe bleiben die Projekte in aller Munde. Außerdem können Promis als Botschafter und Multiplikatoren fungieren. Durch die Zusammenarbeit mit Hochschulen und durch die Gründung einer Stiftung könnten die Weißenfelser von Expertenwissen profitieren.

 

Die Traumreise beendete Moderatorin Cornelia Heller mit einer Analyse der Ist-Situation in Weißenfels. Dabei stellten die Teilnehmer der Ideenwerkstatt fest, dass in der Saalestadt vor allem Angebote für Jugendliche fehlen. So gibt es kein Kino, keine Diskothek, keine Bar und auch keine Kleinkunstbühne. Auch Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie fehlen. Generell waren die Wünsche für Freizeitaktivitäten groß. So wurde auch über einen Kletterwald, einen Indoor-Spielplatz, ein Theater oder schlicht über einen Bioladen gesprochen.

 

Im Rahmen des Förderprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ stellt der Bund insgesamt 65 Millionen Euro zur Verfügung. Das Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels als größtes historisches Gebäude der Stadt gehört zu den 24 Maßnahmen bundesweit, welche im Jahr 2017 zur Förderung ausgewählt wurden. Seit 2014 hat das Bundesministerium insgesamt 108 Projekte auf den Weg gebracht. Mit der Finanzspritze sollen herausragende und beispielgebende Projekte mit besonderer nationaler oder internationaler Wahrnehmbarkeit ausgezeichnet werden.

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-Peter Zimmermann (r.), der bei der Abteilung Tiefbau für die Baumaßnahme Schloss verantwortlich ist, führte die Teilnehmer der Ideenwerkstatt durch den südlichen Schlossflügel. Dieser Abschnitt von Neu-Augustusburg wird derzeit mithilfe von Bundesmitteln statisch gesichert.

 

*Die KEWOG ist als kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft der Sanierungsträger für die Arbeiten im Schloss Neu-Augustusburg.

Quelle: Stadt Weißenfels