Die Portraitreihe „Weißenfelser Frauenpersönlichkeiten“ rückt Frauen aus Historie und Gegenwart in den Fokus, die regional und überregional einen bedeutenden Einfluss auf soziale, kulturelle oder politische Entwicklungen haben oder hatten. Passend zum Internationalen Museumstag am 18. Mai 2021 war das Portrait im Mai der ersten deutschen Museumsdirektorin, Hanna Stirnemann, gewidmet.

Hanna Stirnemann wird 1930, mit gerade einmal 30 Jahren, Direktorin des städtischen Museums in Jena. Vor ihr gab es in Deutschland keine Frau in einem solchen Amt. Sie wurde am 12. Oktober 1899 in Weißenfels geboren. Ihre Eltern waren Kaufleute. Nach dem Abitur verließ sie Weißenfels und studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Pädagogik an den Universitäten von Wien und Halle.

Hanna Stirnemann startete ihre Karriere 1927 als sogenannte wissenschaftliche Hilfsarbeiterin am Landesmuseum Oldenburg. In Oldenburg erlernte sie alle Funktionen eines Museumsbetriebes, arbeitete gemeinsam mit Museumsdirektor Walter Müller-Wulckow am zweiten Band seiner Monographien zur neuen Baukunst über „Wohnbauten und Siedlungen aus deutscher Gegenwart“, publizierte zur Vorbereitung einer Ausstellung über „Holländische Malerei der Gegenwart“ und setzte sich für das Werk der deutschslowenischen Bildhauerin Elsa Oeltjen-Kasimier ein.

Aufgrund ihres außergewöhnlichen Engagements wurde sie im April 1929 nach Greiz zur Einrichtung des Heimatmuseums berufen. Dank ihrer exzellenten Aufarbeitung wird sie von dort noch im selben Jahr nach Jena als Assistentin Paul Webers an das Städtische Museum geholt. Paul Weber stirbt 1930. Hanna Stirnemann übernimmt dessen Nachfolge und wird im Alter von 30 Jahren Museumsdirektorin.

Mit ihrem rückhaltlosen Bekenntnis zur Gegenwartskunst, ihrer exponierten Stellung und ihrem selbstbewussten Auftreten als moderne Frau war sie den nationalsozialistischen Machthabern schnell suspekt und wurde zum Rücktritt gezwungen.

Mit ihrem Ehemann zog sie sich nach Hainichen zurück. 1950 gehen beide nach West-Berlin. In den fünfziger Jahren leitet sie den Berliner Werkbund und engagiert sich für das zeitgenössische Industriedesign der „guten Form“. Sie starb am 25. November 1996 in Berlin.

Das Juni-Portrait ist der Sängerin Pauline Kellner gewidmet. Doreen Busch wird aus dem Leben der Künstlerin berichten. Die Veröffentlichung ist am 19. Juni 2021 zum Welttag der Musik vorgesehen. 

Die Portraitreihe „Weißenfelser Frauenpersönlichkeiten“ wurde von Katja Henze, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Weißenfels, dem Weißenfelser Frauenarbeitskreis und dem städtischen Kulturamt ins Leben gerufen. Insgesamt erscheinen 33 Frauenportraits von März 2021 bis Ende 2022. 

Quelle: Stadt Weißenfels