Zum 82. Mal jährten sich am 9. November 2020 die schrecklichen Geschehnisse der Pogromnacht. Viele Synagogen und Geschäfte wurden am 9. November 1938 zerstört, unzählige Menschen jüdischen Glaubens geschlagen, verschleppt oder umgebracht. „Um die sechs Millionen Juden und Jüdinnen ließen in der Zeit der Nazi-Herrschaft ihr Leben“, erinnerte Oberbürgermeister Robby Risch in seiner Gedenkrede in Höhe der Tafel in der Jüdenstraße 1.

Zuvor waren 30 Bürgerinnen und Bürger der Stadt Weißenfels einem Aufruf des Simon-Rau-Zentrums und der Stadt Weißenfels gefolgt und schritten in einer Demonstration mit Stolpersteinen gekennzeichnete Orte in Weißenfels ab, an denen jüdische Bürger gelebt haben.
Beginn war in der Friedrichsstraße 1 am Haus der Wohnung von Familie Jacob und Maria Fränkel. Ihr am 1. Januar 1933 gegründetes Geschäft für Möbel, Konfektion, Wäsche und Schuhe am Markt 21 wurde boykottiert, sie selbst mehrfach verhaftet und mit dem Sohn Max nach Polen ausgewiesen. Später traf sich die Familie nach einer langen Odyssee in den USA wieder. Allerdings ohne den Weißenfelser Großvater Isaak Fränkel – seine Spur verliert sich im Konzentrationslager Plaszow.


Auch auf dem Fußweg vor der ehemaligen Beuditzstraße 31 liegen Stolpersteine. Sie erinnern an die Familie Marie und August Fleischer mit ihren Kindern Theodor David, Sophie, Hermine, Doris und Julius. Als August Fleischer verstarb, zog seine Frau mit zwei Kindern von Bayreuth nach Weißenfels. Tochter Hermine heiratete später Ephraim Flamm, gemeinsam hatten sie Tochter Miriam. Mit ihr wohnten sie im Kirschweg in Weißenfels-West. Miriam Flamm sollte das einzig überlebende Familienmitglied dieses Familienzweiges werden. Denn Marie und Julius Fleischer wurden 1941 in Riga ermordet und Hermine und Ephraim Flamm fanden 1942 in Sobibor den Tod. Miriam Flamm gelang die Flucht in das britische Mandatsgebiet im Nahen Osten. Hier gründete sie in Haifa eine Familie.

Vor dem Haus Jüdenstraße 16 erinnerte Gerhard Löffler an Lina Karlick, die hier seit 1914 wohnte. 1941 zwangsweise in das jüdische Altenheim Halle, Boelkestraße 24, eingewiesen, wurde Lina Karlick im September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Hier kam sie am 20. Mai 1943 ums Leben.


Der Demonstrationszug endete vor der Gedenktafel in der Jüdenstraße 1. Nach der Rede von Oberbürgermeister Risch legten die Anwesenden Kränze nieder und gedachten der Opfer der Pogromnacht 1938.

Quelle: Stadt Weißenfels

Foto: Stolpersteine vor der Beuditzstraße 31 erinnern an Marie und Julius Fleischer. ©Stadt Weißenfels, Anke Fey