Höhere Anforderungen an den Brandschutz im Schloss Moritzburg

Am 6. Juni 2019 stellte Christian Thieme, Oberbürgermeister der Stadt Zeitz, einen Antrag zur Bewilligung einer außerplanmäßigen Aufwendung für die Erstellung eines Brandschutz- und Brandmeldekonzepts für das Schloss Moritzburg. Grund: Die Feuerversicherung wurde gekündigt. Um den Versicherungsschutz schrittweise wieder herzustellen, fordert die Versicherung ein vollumfängliches Brandschutz- und Brandmeldesystem. „Das klingt jetzt natürlich erstmal alles sehr dramatisch“, beruhigt Christian Thieme. „Der Brandschutz bzw. die Vorbeugung von Personen- und Sachschäden im Schloss Moritzburg hatte und hat jedoch für die Stadt jederzeit enorme Priorität. Dessen sind wir uns immer bewusst gewesen und haben im Einvernehmen mit der Kommunalaufsicht entsprechend gehandelt. Die Einschätzung der Versicherung beruht auf einer neuen, sehr kurzfristigen und umfangreichen Änderung der Gefährdungsbeurteilung für historisch bedeutsam Bauwerke.“ Der Stadtrat Zeitz hat dem Antrag in seiner Sondersitzung am 19. Juni 2019 zugestimmt.

Zweierlei Maß: Rechtsgrundlagen und Obliegenheiten der Versicherung

Als kommunale Aufsichtsbehörde führt der Burgenlandkreis in sehr vielen städtischen Einrichtungen regemäßig Brandschutzschauen durch. Zu den Aufgaben gehört unter anderem, die Kommunen hinsichtlich der Sicherstellung des Brandschutzes zu beraten. Die Rechtsgrundlagen (z. B. Landesbauordnung Sachsen-Anhalt, Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetz Sachsen-Anhalt, DIN-Normen) sind vielfältig und werden z. B. in Abhängigkeit von neuen technischen Entwicklungen kontinuierlich aktualisiert. Das bedeutet, dass auch die Anforderungen an den Brandschutz in Bauobjekten steigen. Damit die Anforderungen einerseits umgesetzt werden, andererseits jedoch auch die Verträglichkeit der Maßnahmenumsetzung sichergestellt ist, stehen die Stadt Zeitz und der Burgenlandkreis in engem, kontinuierlichem Kontakt.
Die Einschätzung des Burgenlandkreises ist jedoch völlig unabhängig von den Anforderungen der Versicherung. Di Versicherung hat das Recht, ihre eigenen Kriterien für den Brandschutz festzulegen, eigene Brandschutzschauen durchzuführen und den Versicherungsschutz zu kündigen, wenn die Obliegenheiten ihrer Meinung nach verletzt wurden. „Man muss dabei jedoch berücksichtigen, dass die Versicherung natürlich den Extremfall vor Augen hat“, führt Kathrin Weber, Bürgermeisterin der Stadt Zeitz, weiter aus. „Der Brand in Notre-Dame könnte die strengere Gefährdungsbeurteilung durchaus begünstigt haben. Wir konnten den neuen Anforderungen leider nicht fristgerecht nachkommen, da die Zeit zur Umsetzung zu knapp war. Wir arbeiten jedoch gemeinsam mit der Versicherung intensiv daran, den Versicherungsschutz schrittweise wieder herzustellen. Dafür haben wir einen Zeit- und Maßnahmenplan erstellt und unverzüglich mit der Umsetzung begonnen. Das Verhältnis ist gut. Und vieles haben wir auch schon geschafft.“

Brandschutz im Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg verfügt bereits über einen umfangreichen vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz. Zum abwehrenden Brandschutz gehören vor allem Maßnahmen der Feuerwehr. Der vorbeugende Brandschutz beinhaltet bauliche, anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen. Zu den anlagetechnischen Maßnahmen auf Schloss Moritzburg gehören z. B. die kontinuierliche Ertüchtigung der Brandmeldeanlagen und Feuerlöscher. Bei den baulichen Maßnahmen geht es z. B. um die Fluchtwegplanung sowie um das Brandverhalten von Baustoffen. Wegen der oftmals denkmalswerten Bausubstanz historischer Objekte spielen Umfang und Qualität der organisatorischen Maßnahmen eine entscheidende Rolle. Zu den organisatorischen Maßnahmen im Zeitzer Schlosskomplex gehören z. B. die Sicherung der Löschwasserversorgung sowie Angriffswege für die Feuerwehr, regelmäßige Begehungen des Dachstuhls, das Rauchverbot im Schlosskomplex (nicht Schlosspark), das aktuell geltende Feuerwerksverbot sowie die Erstellung von Brandschutzkonzepten. Hierbei sieht das Baurecht eine spezielle Regelung für Sonderbauten – wie Schloss Moritzburg – vor, weil diese Bestands- und Denkmalsschutz genießen. Das bedeutet, dass die Stadt für jede Veränderung im Schloss – z. B. für den Einbau des Fahrstuhls – einzelne Brandschutzkonzepte erarbeitet hat, die die baulichen und anlagetechnischen Maßnahmen mitberücksichtigen. „Im Zuge der Erstellung des Brandschutz- und Brandmeldekonzepts sollen die einzelnen Brandschutzkonzepte zusammengeführt, aktualisiert und natürlich ergänzt werden. Das wird nach Auftragserteilung ca. drei Monate dauern. Darum war es uns wichtig, die Finanzierung vor der Sommerpause sicherzustellen“, informiert Bürgermeisterin Kathrin Weber.
„Wir wollen hier so schnell wie möglich vorankommen“, versichert der Oberbürgermeister. „Schloss Moritzburg ist eine der wichtigsten touristischen Attraktionen der Stadt und außerdem ein sehr beliebter Aufenthaltsort für die Zeitzerinnen und Zeitzer. Es wäre fatal, wenn das Schloss beschädigt würde. Aus diesem Grund bitten wir um Verständnis, dass die aktuellen Brandschutzmaßnahmen zu temporären Einschränkungen für einige Besucher führen können. Absolute Priorität hat natürlich weiterhin die Vorbeugung von Personen- und Sachschäden.“

Quelle: Stadt Zeitz