Gerade hatte sich die Wirtschaft im Burgenlandkreis vom Corona-Rückschlag erholt, da drohen neue Belastungen. Die Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) spiegelt noch eine stabilisierte Konjunkturentwicklung. Aber steigende Kosten bei Rohstoffen, Material und Energie sowie in der Logistik machen den Unternehmen ebenso zu schaffen, wie die wieder ausufernde Pandemie und der weiterhin bestehende Fachkräftemangel.

In der IHK-Konjunkturumfrage zum dritten Quartal 2021 hatten die Unternehmen im Burgenlandkreis gemeldet, dass sich das Geschäfts­klima neutral entwickele. Die Auftragslage war in den meisten Branchen solide. Aber neue Sorgen trüben das Bild – IHK-Konjunkturexperte Danny Bieräugel: „Die stark steigende Nachfrage sorgt für eine anhaltende Knappheit von Rohstoffen, Materialien und Transportkapazitäten weltweit. Die dadurch steigenden Preise sind für viele Unternehmen ein ernstes Konjunkturrisiko.“ Tobias Voigt, Leiter der Weißenfelser IHK-Geschäfts­stelle, ergänzt: „Auch die wieder steigenden Infektionszahlen sowie der Fachkräftemangel sorgen für Verunsicherung.“

So ist etwa für die Ernährungswirtschaft – eine wichtige Wirtschaftssparte im Burgenlandkreis – die Lage „komplizierter“ geworden, erläutert
Dr. Michael Heinemann, geschäftsführender Gesellschafter der Weißenfelser Handelsgesellschaft mbH und Vorsitzender des Netzwerkes Ernährungswirtschaft Sachsen-Anhalt. Lieferengpässe führten dazu, dass die Produktion nicht immer planmäßig und termingerecht laufe. „Die Herstellung wird teurer, aber es gelingt nicht durchgehend, höhere Verkaufspreise beim Handel durchzusetzen.“ Zudem lasse die Pandemie Messen, Ausstellungen und Fachberatungen nicht wie gewohnt zu. Heinemann ist dennoch vorsichtig optimistisch: „Die Branche stellt sich diesen Herausforderungen!“

Ergebnisse des IHK-Konjunkturberichtes zum 3. Quartal 2021 im Einzelnen:

Industrie: weitgehend stabil

Die Geschäftslage in der Industrie des Burgenlandkreises liegt im Herbst 2021 solide im positiven Bereich – Auftragseingänge und Umsätze nahmen weiter zu. Die von Ver- und Gebrauchsgütern geprägte Industriestruktur war zuletzt besser durch die Corona-Krise gekommen, als andere Industrieregionen. Der Ausblick ist aber auch hier verhalten – mehr als 60 Prozent der Unternehmen plant mit steigenden Preisen, um die aktuellen Kostensteigerungen zu kompensieren.

Baugewerbe: Abkühlung

Im Baugewerbe trübt sich die Stimmung verglichen mit dem Vorjahr ein. Corona-Auswirkungen erreichten die Baubranche etwas verzögert in Form sinkender Auftragseingänge. Trotz einer Belebung zu Jahresbeginn bleiben die Zahlen im Herbst noch hinter 2020 zurück. Und auch die Erwartungen sind wieder pessimistischer, da Materialengpässe und Fachkräftemangel bremsen und angesichts steigender Preise neue Aufträge – insbesondere aus dem öffentlichen Bau – zurückgehen.

Dienstleistungsgewerbe: Lage stabil, Erwartungen entspannter

Die regionale Dienstleistungswirtschaft war von der zweiten Welle der Pandemie stark betroffen. Seitdem war aber eine Erholung der gesamten Branche zu beobachten. In der Herbstumfrage ist die Geschäftslage stabil positiv und der Ausblick neutral. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen dürfte sich bei den Anbietern personenbezogener Dienstleistungen die Situation aber wieder verschärfen.

Handel: deutliche Eintrübung

Die Lockerungen im Sommer brachten dem Handel nur eine sehr kurze Erholung – im Herbst trübt das Geschäftsklima wieder deutlich ein. Angesichts von Lieferengpässen und steigenden Preisen verschlechtern sich Gewinn- und Umsatzlage. Die Erwartungen sind mehrheitlich negativ – man rechnet mit steigenden Preisen und sinkenden Umsätzen.

Verkehrsgewerbe: starke Aufhellung

Im Verkehrsgewerbe hat sich Stimmung im Herbst hingegen deutlich verbessert. Das Geschäftsklima ist solide positiv und insbesondere der regional bedeutsame Güterverkehr registriert steigende Auftragseingänge. Allerdings sorgen die Kostensteigerungen auch hier für verhaltende Aussichten im Personenverkehr und dem Verkehrsnebengewerbe. Für zwei Drittel sind Preisanhebungen unvermeidlich.

Quelle: IHK