Unter dem Motto „Weißenfelser Boden sucht goldenes Handwerk“ stand der Neujahrsempfang der Stadt Weißenfels am 15. Januar 2026 ganz im Zeichen der handwerklichen Tradition und ihrer Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Rund 160 Gäste folgten der Einladung von Oberbürgermeister Martin Papke in das Kulturhaus. Als Gastredner begrüßte die Stadt den Präsidenten der Handwerkskammer Halle (Saale), Thomas Keindorf, sowie den Staatssekretär im Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, Jürgen Böhm.
In seiner Neujahrsrede machte Oberbürgermeister Papke deutlich, warum das Handwerk bewusst in den Mittelpunkt der Veranstaltung gerückt wurde. Weißenfels werde häufig auf das Schuhmacherhandwerk reduziert, doch die Stadt verfüge über eine weit darüber hinausgehende handwerkliche Geschichte. Symbolisch unterstrich Papke diese Aussage mit jahrhundertealten Innungsladen ehemaliger Weißenfelser Handwerkszünfte, die eigens für den Abend aus dem Museumsdepot auf die Bühne des Kulturhauses gebracht wurden. Mit eindrucksvollen Bildern ließ der Oberbürgermeister das lebendige Innungsleben früherer Jahrhunderte wiederaufleben und erinnerte an den Stolz und die Gemeinschaft, die das Handwerk über Generationen geprägt haben.
Zugleich schlug Papke den Bogen zur Gegenwart. Angesichts zahlreicher Bau- und Entwicklungsprojekte in den kommenden fünf Jahren – mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mindestens 600 Millionen Euro – komme dem Handwerk eine Schlüsselrolle zu. Von der Schlosssanierung über innerstädtische Wohnungsbauprojekte bis hin zu großen Neubauvorhaben seien qualifizierte Fachkräfte unverzichtbar. „Darauf bin ich stolz und ich danke allen, die den Karren mit mir gemeinsam ziehen“, betonte der Oberbürgermeister.
Neben der wirtschaftlichen Bedeutung hob Papke auch den gesellschaftlichen Wert des Handwerks hervor. Die Zünfte seien frühe demokratische Zusammenschlüsse gewesen, geprägt von klaren Regeln, Respekt und Verantwortung füreinander. Diese Werte wünschte er sich auch für den heutigen gesellschaftlichen und politischen Umgang. Persönlich bekannte Papke, dass er rückblickend gern selbst eine handwerkliche Ausbildung absolviert hätte – nicht zuletzt wegen der Sinnhaftigkeit und des unmittelbaren Erfolgs, den handwerkliche Arbeit vermittle.
In diese Gedanken reihten sich auch die Redebeiträge von Thomas Keindorf und Jürgen Böhm ein. Keindorf sprach sich für einen konsequenten Bürokratieabbau sowie attraktive Standortbedingungen aus, um Betriebsgründungen und -übernahmen im Handwerk zu erleichtern. Staatssekretär Böhm stellte Maßnahmen zur Stärkung praktischer Berufe vor, darunter den erfolgreichen Praxislerntag an weiterführenden Schulen, der künftig ausgeweitet werden soll.
Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Chor der Neustadtschule, der Band „Werner Stein & Eisenbricht“ sowie den Sternsingern der katholischen Gemeinde Weißenfels. Ein besonderer Moment war zudem der Eintrag der Weißenfelser Künstlerin Christina Simon in das Ehrenbuch der Stadt anlässlich ihrer Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz.
Bildquelle: Katharina Vokoun/ Stadt Weißenfels





