Der Landkreistag Sachsen-Anhalt hat im Rahmen seiner 121. Landräte-Konferenz am 7. und 8. Mai 2026 die Erwartungen der elf Landkreise an den neuen Landtag und die künftige Landesregierung formuliert. Unter dem Titel „Erwartungen an den neuen Landtag und die neue Landesregierung“ fordert der Kommunale Spitzenverband ein klares Bekenntnis zur kommunalen Selbstverwaltung sowie umfassende Reformen für eine leistungsfähige und bürgernahe Verwaltung in Sachsen-Anhalt.
Im Mittelpunkt stehen zehn zentrale Forderungen. Dazu zählen unter anderem die Abschaffung der Dreistufigkeit der Landesverwaltung, eine bessere Finanzierung der Landkreise, eine Modernisierung des Konnexitätsprinzips sowie der Wechsel von kleinteiligen Förderprogrammen hin zu pauschalen Investitionsbudgets. Weitere Themen sind die Gestaltung des demografischen Wandels, die steigenden Kosten in der Kinder- und Jugendhilfe, Migration und Integration, ein zukunftsfähiger öffentlicher Nahverkehr sowie die Digitalisierung der Verwaltung.
„Die Landkreise sind die tragende Säule staatlicher Aufgabenerfüllung in Sachsen-Anhalt“, erklärte Götz Ulrich, Präsident des Landkreistages Sachsen-Anhalt und Landrat des Burgenlandkreises. „Hier entscheidet sich täglich, ob Politik bei den Menschen ankommt – in Schulen, im Sozialen, im Gesundheitswesen, beim ÖPNV, in der Ausländerbehörde, im Rettungsdienst, beim Bevölkerungsschutz und in der digitalen Verwaltung.“
Nach Auffassung des Landkreistages müsse die Landesverwaltung grundlegend reformiert werden. Ziel sei eine zweistufige Verwaltungsstruktur mit weniger Doppelstrukturen, klareren Zuständigkeiten und mehr kommunaler Eigenständigkeit. Gleichzeitig fordern die Landkreise eine aufgabengerechte Finanzausstattung. Insbesondere die steigenden Kosten in den Bereichen Sozialhilfe, Jugendhilfe, Personal und Digitalisierung würden die kommunalen Haushalte zunehmend belasten.
Markus Bauer, Vizepräsident des Landkreistages Sachsen-Anhalt und Landrat des Salzlandkreises, betonte: „Der Grundsatz muss lauten: Wer bestellt, bezahlt.“ Neue oder erweiterte Aufgaben dürften nicht ohne vollständigen finanziellen Ausgleich an die Landkreise übertragen werden. Zudem spricht sich der Verband dafür aus, aufwendige Förderprogramme durch flexible Investitionsbudgets zu ersetzen, um Kommunen mehr Handlungsspielräume zu geben.
Mit Blick auf den demografischen Wandel fordert der Landkreistag eine aktive Strategie für den ländlichen Raum. Wichtige Angebote der Daseinsvorsorge wie Schulen, medizinische Versorgung, Pflegeangebote, barrierearmes Wohnen, öffentlicher Nahverkehr und digitale Dienstleistungen müssten auch künftig wohnortnah erreichbar bleiben.
Besonders kritisch sehen die Landkreise die Entwicklung der Kosten in der Kinder- und Jugendhilfe. Hier fordert der Verband eine stärkere Beteiligung des Landes sowie ein Stoppsignal für zusätzliche Belastungen ohne ausreichende Finanzierung durch Bund und Länder.
Auch beim öffentlichen Personennahverkehr sehen die Landkreise dringenden Handlungsbedarf. Bestehende Linien müssten gesichert und neue Angebote wie On-Demand-Verkehre ermöglicht werden. Das Deutschlandticket müsse dauerhaft gesetzlich abgesichert und vollständig finanziert werden.
„Die kommende Wahlperiode muss eine Wahlperiode der kommunalen Verlässlichkeit werden“, erklärte Ariane Berger. Die Landkreise seien bereit, Verantwortung zu übernehmen und Reformen aktiv mitzugestalten – dafür brauche es jedoch ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Land, Landtag und Kommunen auf Augenhöhe.
Bild: whatsapp image 2026 05 08 at 13.11.18 (© Pressestelle Burgenlandkreis)





