Weißenfels-Sanierung des Rathauses schreitet voran

Das Weißenfelser Rathaus gehört neben dem Schloss Neu-Augustusburg wohl zu den Gebäuden, die das Bild der Saalestadt am stärksten prägen. Doch das barocke Schmuckstück steht mittlerweile seit gut fünf Jahren leer. Marode Holzbalken, Hausschwamm, Pilzbefall und andere Mängel an der Bausubstanz führten dazu, dass nahezu alle Verwaltungsmitarbeiter Anfang 2013 in Interimsgebäude umziehen mussten. Doch wenn die baustellenerprobten Weißenfelser eines haben, dann ist das Durchhaltevermögen. So schreiten die Arbeiten im Inneren des Gebäudes seit Anfang des Jahres wieder sichtbar voran und endlich ist auch ein Ende der Sanierung absehbar.

Holzschutzgutachter stellte Substanzschädigungen fest

Im ersten und zweiten Obergeschoss wurden zu Beginn des Jahres die Etagen entkernt sowie die alten Dielen einschließlich der Lagerhölzer und Fußbodenschüttung entfernt, um die historischen Holzbalken freizulegen. Der Holzschutzgutachter stellte daraufhin Substanzschädigungen, speziell in den Auflagerbereichen, fest. Diese werden nun durch den Zimmermann beseitigt. Außerdem verstärkt er die Deckelbalken oder tauscht diese gegebenenfalls aus. Danach wird der Fußboden wieder neu aufgebaut.

Manche Überraschungen kamen zum Vorschein

Um das Mauerwerk zu kontrollieren, wurden alle Wände vom Putz befreit. Dabei kam so manche Überraschung zum Vorschein. So musste eine ganze Wandreihe im zweiten Obergeschoss abgerissen werden, weil die Wände nicht mehr mit der Decke verbunden waren. Im kleinen Ratssaal legten die Arbeiter ein gut erhaltenes Deckengemälde mit Stuckelementen frei, das zuvor von einer abgehängten Decke verdeckt wurde. Außerdem war an vielen Stellen nur die Wandverkleidung ansehnlich. Dahinter verbarg sich jedoch Bruchsteinmauerwerk. Das komplette Gebäude muss jetzt nach heutigen Ansprüchen an Statik und Sicherheit neu hergerichtet werden. Dabei wird der ursprüngliche Grundriss wieder hergestellt. Um den Ansprüchen des Denkmalschutzes gerecht zu werden, fanden im Vorfeld bereits Untersuchungen am Gemäuer statt. Ein Bauforscher entnahm Materialproben und ein Bauhistoriker analysierte die verwendeten Wandfarben für eine spätere Restauration. Eine solche Untersuchung war auch im kleinen Ratssaal notwendig. Dort soll nämlich das Deckengemälde künftig sichtbar bleiben und muss deshalb aufgearbeitet werden. Schon jetzt wurden die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um eine Verbindung zum Technischen Rathaus sicherzustellen. Dadurch erhält das Rathaus einen barrierefreien Zugang.

Großes Loch klafft im Erdgeschoss

Ein ungewöhnlicher Anblick bietet sich derzeit auch im Erdgeschoss. Wo einst der Pförtner die Besucher des Rathauses empfing, klafft nun ein großes Loch in der Erde. Archäologen hatten dort in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 Bodenuntersuchungen vorgenommen und dabei tunnelähnliche Kellergewölbe entdeckt. Nun hebt ein kleiner Bagger die Erde aus, um das richtige Planungsniveau für den neuen Fußbodenaufbau herzustellen.

Einzug Ende 2019 geplant

Die Arbeiten im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss sollen aktuellen Plänen zufolge bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Danach werden die Räume mit Möbeln und Einbauten ausgestattet, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Weißenfels wohl bis Ende 2019 wieder ins Rathaus ziehen können.

Turmspitze bereits 2015 komplett erneuert

Das Dach des Weißenfelser Rathauses wurde bereits in den Jahren 2014 und 2015 mithilfe von Fördergeldern saniert. Unter anderem musste die Turmspitze komplett erneuert werden, weil das Mauerwerk und Holz marode waren. Der Aufsatz besteht aus einer Fachwerkkonstruktion, die mit Eichen- und Lärchenholz originalgetreu wieder hergestellt wurde. Mithilfe eines großen Krans wurde die neue Spitze im Juni 2015 an ihren Platz gehoben. Ende 2014 war bereits das Turmgerüst erneuert und mit den originalen Steinen ausgemauert worden. Außerdem hatten Arbeiter im Herbst 2015 das komplette Rathausdach neu eingedeckt. Es fielen Kosten von etwa 1,3 Millionen Euro an.

Bund fördert größten Teil der Sanierung

Danach ruhte die Baustelle, bis sich mit dem STARK-V-Programm eine weitere Fördermöglichkeit auftat. Die Stadt Weißenfels erhielt im April des Jahres 2017 aus dem Fördertopf 1,94 Millionen Euro für die Sanierung der ersten und zweiten Etage des Rathauses. Es handelt sich um eine hundertprozentige Förderung. Mit 90 Prozent stammt der größte Teil der Mittel vom Bund. Das Land Sachsen-Anhalt stellt den eigentlich von den Kommunen zu zahlenden Eigenanteil von zehn Prozent aus dem Landeshaushalt zur Verfügung. Die Herrichtung des Erdgeschosses finanziert die Stadt Weißenfels aus Eigenmitteln.

Fotos: – Holzbalken und Mauerwerk im zweiten Obergeschoss des Weißenfelser Rathauses sind freigelegt. Links befand sich einst das Büro des Oberbürgermeisters.

Fotografin: Katharina Vokoun

Quelle: Stadt Weißenfels