Wie Thomas Haberkorn den
Kommunalen Klimaschutz als Klimaschutzmanager der Stadt Zeitz
voranbringen will


Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der wir alle mitwirken müssen.
Besonders großes Potenzial für einen Wandel liegt dabei in den Städten und Gemeinden. Denn
dieser kann nur gelingen, wenn ambitionierte Klimaschutzaktivitäten und -initiativen auf
unterschiedlichen Ebenen ineinandergreifen und damit der notwendige
Transformationsprozess parallel auf globaler und europäischer Ebene, auf Bundes- und
Landesebene sowie auf kommunaler Ebene unter Einbindung von Unternehmen und
Zivilgesellschaft vorangetrieben wird.


Berücksichtigt man die vielen Handlungsfelder, auf die Kommunen als Schnittstelle zu
Bürgerinnen und Bürgern, der lokalen Wirtschaft, Religionsgemeinschaften oder sozialen und
kulturellen Einrichtungen, direkt und indirekt Einfluss nehmen können, merkt man schnell
welche Schlüsselrolle die Kommunen in Sachen Klimaschutz einnehmen.


Auch die Stadt Zeitz als grüne Wohn- und Kulturstadt an der Weißen Elster hat die Themen
Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf der Agenda und sucht sich hierbei Unterstützung von
Fachleuten, die die einzelnen Prozesse in Zusammenarbeit mit den Menschen der Stadt
voranbringen und letztendlich umsetzen. Erster Schritt hierbei war, dass im vergangenen Jahr
Claudia Siebeck im Rahmen des Förderprojektes ZeNaTra (Transformation zur Nachhaltigkeit
der Stadtlandschaft Zeitz) als Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadt Zeitz engagiert wurde. Mit
Streuobstwiese und Fassadenbegrünung fand Sie auch gleich Themen, die Unternehmer und
Privatpersonen gleichermaßen interessieren und dazu führten, dass sich die Bürgerinnen und
Bürger der Stadt Zeitz mit dem Thema vertraut machten und jetzt immer wieder im Claudia
Siebeck ins Gespräch kommen, um die Nachhaltigkeitsthemen der Stadt gemeinsam
umzusetzen.


Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz konnte die Stadt Zeitz zum 1. Januar 2024

Thomas Haberkorn für die Stelle des Klimaschutzmanagers der Stadt Zeitz
gewinnen. Welche Aufgaben er nun übernimmt und was kommunaler Klimaschutz überhaupt
bedeutet, wollen wir deshalb mit Thomas Haberkorn klären und haben ihn deshalb im
Gespräch dazu befragt.


Was hat Sie dazu bewogen, Klimaschutzmanager der Stadt Zeitz zu werden?
Das Beste an meinem Beruf ist die Aussicht, Teil der Lösung zu sein und die Arbeit als
Klimaschutzmanager bietet mir die Möglichkeit, einen nachhaltigen Beitrag in diesem Bereich
zu leisten. Die heutigen Herausforderungen sind groß und die Chance, mich in Zeitz für positive
Veränderungen einzusetzen und unsere Stadt bezüglich Klimaschutz und Klimawandel
weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten, ist für mich äußerst motivierend. Der
Gedanke, aktiv zur Schaffung einer lebens- und liebenswerten Umwelt beizutragen, die auch
für kommende Generationen erhalten bleibt, fasziniert mich besonders. Die Idee der
Enkeltauglichkeit, also die Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, treibt mich
an, einen positiven Einfluss auf die ökologische Transformation unserer Stadt auszuüben. Es
ist mir wichtig, nicht nur kurzfristige Lösungen zu implementieren, sondern langfristig
nachhaltige Maßnahmen zu etablieren, die einen echten Wandel bewirken und eine
lebenswerte Zukunft für unsere Nachkommen sichern.


Welche Projekte und Aufgaben gehen Sie jetzt an?
Klimaschutz ist nicht nur eine Querschnittsaufgabe, sondern vor allem Teamwork – durch alle
Instanzen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Verwaltung. Aktuell konzentriere ich mich
auf eine Vielzahl von Projekten im Rahmen der Querschnittsaufgabe Klimaschutz, die
sämtliche Facetten des kommunalen Handelns berühren. Das Ziel ist einerseits die Etablierung
des Klimaschutzmanagements innerhalb der Stadtverwaltung Zeitz und andererseits die
Erstellung eines umfassenden Klimaschutzkonzepts, das als Leitfaden für zukünftiges Handeln
dient.


Als erstes erfolgt eine gründliche Bestandsanalyse in den kommunalen Handlungsfeldern,
einschließlich der Erstellung einer kommunalen Treibhausgasbilanzierung. Daraus
resultierend werden anschließend Szenarien und Potenziale für die Stadt Zeitz abgeleitet und
priorisiert. Ein detaillierter Maßnahmenkatalog ist ebenfalls Bestandteil.


Die erste Phase gestaltet sich dabei weniger umsetzungsfreudig, da sie primär als
Konzeptphase verstanden werden muss. Die eigentliche Umsetzung und der Start der
relevanten Maßnahmen entfaltet sich erst in einem möglichen Anschlussvorhaben, um das
Klimaschutzmanagement in der kommunalen Verwaltung zu etablieren. Eine entscheidende
Rolle spielt hierbei die Unterstützung und das Engagement aller Beteiligten Institutionen,
Verbände, Vereine und der Bürgerinnen und Bürger, um die Vision eines nachhaltigen und
klimafreundlichen Stadtkonzepts Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen.


Wie ist es aus Ihrer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt um den Klimaschutz in Zeitz und unserer
Region bestellt?

Ich sag es mal mit den Worten Barack Obama´s: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des
Klimawandels spürt, und die letzte Generation, die noch etwas daran ändern kann.“ In meinen Augen
haben wir noch sehr viel zu tun, denn die sozial-ökologische Transformation steckt lokal betrachtet
noch ziemlich in den Kinderschuhen. Aber es ist machbar und vor allem möglich – sofern der Wille dazu
da ist. Wir haben unheimlich viel Potenzial in unserer Region und bereits heute viele Unternehmen,
Institutionen und Menschen, die sich jeden Tag aktiv im Bereich Klimaschutz engagieren. Letztlich
sollte jeder seinen Teil dazu beitragen, denn jeder Beitrag zählt – egal wie klein oder groß er im ersten
Moment erscheinen mag. Es ist wichtig, denn nachhaltiger Klimaschutz kann nur gemeinsam gelingen.


Was muss getan werden, so dass wir die Klimaschutzziele erreichen?
Es wäre wünschenswert, wenn wir den eingeschlagenen Pfad, die Ablösung von fossilen Brennstoffen
durch sauberere Alternativen der erneuerbaren Energien, zügig und strukturiert weiterverfolgen. Der
Ausbau und Einsatz sollte kontinuierlich und mit weniger, gesetzlichen Hürden umgesetzt werden.
Auch die Förderung und Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger über umweltfreundliche Praktiken
und ihre Auswirkungen wie Energieeinsparung, Müllreduzierung, nachhaltige Mobilität und die
Etablierung regionaler Produkte, besonders im Bereich der Lebensmittelproduktion haben in Bezug
auf den allgemeinen Ressourcenverbrauch eine wichtige Hebelwirkung. Wir als Stadt nehmen da
ebenfalls eine wesentliche Vorbildrolle ein.


Persönlich wünsche ich mir ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass wir alle nachhaltiger wirtschaften
und leben sollten. Dies erfordert möglicherweise, mit alten Gewohnheiten auch einfach mal zu
brechen, offen für Veränderungen zu sein und neugierig zu bleiben. Aktiver Klimaschutz ist vor allem
auch eine große Chance, die durchaus Freude und Neues hervorbringen kann, obendrein auch den
Geldbeutel entlastet und bspw. im Bereich Lokale Wirtschaftskreisläufe, Unabhängigkeit bringen kann.


Wie wollen Sie die Bürgerinnen und Bürger für die angedachten Projekte begeistern und einbinden?
Um die lokale Gemeinschaft einzubeziehen liegt ein wichtiger Fokus auf der Vernetzung lokaler
Akteure, um gemeinsam effektive Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. Die Bürgerbeteiligung
spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie nicht nur Transparenz schafft, sondern auch das Bewusstsein für
Klimaschutzthemen stärkt. In diesem Zusammenhang wird es verschiedene Aktivitäten, Informations-
und Beteiligungsmaßnahmen geben. Engagement wird auf jeden Fall gefragt sein und ich freue mich
bereits jetzt auf einen konstruktiven Austausch und viele gute Ideen.

Quelle: Stadt Zeitz

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